Die Geschichte der Reihebürgerschaft Bad Münder

 

Die Reihebürger

Im frühen Mittelalter gab es in den Gebieten von Süntel und Deister und des Bückeberges große Waldmarken. Zur Holznutzungen waren die innerhalb dieser Waldgebiete liegenden Ortschaften berechtigt. 

In Münder wurden die Ackersleute zu Ackerbürgern, die damit als als „erbgesessene Bürger“ in Reihehäusern siedelten – daher der Begriff “Reihebürger“. Auf einem Teil Häuser lag als wesentliche Vergünstigung der mittelalterlichen Stadtrechte die Brauergerechtigkeit. 

Einhergehend mit der Übertragung des Braurechtes wurde diesen Häusern ein fast doppelt so hoher Anteil an Forst- und Brennholz zugestanden. Damit ergab sich ein Verteilungsverhältnis hinsichtlich der Waldnutzung von 10:6 zwischen den bevorzugten Brauereibesitzern und den anderen Reihebürgern.

Erste gesetzliche Regelungen

Im Jahre 1553 wurde in Münder erstmals ein Holting oder Holzgericht urkundlich erwähnt. Das Holzgericht wurde von dem Holzgrafen geleitet, dem 10 durch die Reihebürger gewählten Schöffen zur Seite standen. Aufgabe war, die Holznutzung zu regeln, Forstfrevel und andere Vergehen zu ahnden sowie die Außengrenzen festzulegen.

Durch Dekret der kurfürstlichen Regierung in Hannover wurde diese Selbstverwaltung im Jahre 1711 aufgehoben und das Amt des Holzgrafen abgeschafft. Die jahrhundertealte, auf demokratischer Grundlage basierende Markgenossenschaft wurde abgeschafft. An Stelle des jährlich wechselnden Holzgrafen wurde erstmals ein im Amt bleibender reitender Förster ernannt.

Entwicklung zur heutigen Struktur

Diese Umwandlung führte zu langwierigen Eigentumsauseinandersetzungen zwischen dem Magistrat der Stadt und den Reihebürgern. In den Jahren 1832/1834 erfolgte eine Teilung des Communion-Süntels in die Mündersche Stadtforst und die Interessentenforst Bakede/Hamelspringe.

Im Jahr 1874 wurden der Reihebürgerschaft die heutigen Forstflächen sowie Rechte zum Steinkohlenbergbau, zur Nutzung von Steinbrüchen und Eisenerz zugesprochen und ein Reihebürgerausschuß gebildet. Die Verwaltung des Vermögens und Eigentums wurde dem Magistrat übertragen. Der angestellte Stadtförster übernahm die Verwaltung der Reihebürgerschaftsforsten.

Im Jahre 1919 schied die Stadt Münder aus der Verwaltung aus. Die Betreuung des Stadtwaldes Bad Münder wurde von der Reihebürgerschaft übernommen. Seit dem Jahr 1950 verwaltet die Reihebürgerschaft nun ihre Forsten und sonstigen Vermögenswerte selbstständig.